Bewerbungsfoto: Andere Länder, andere Sitten

Bei meinem letzten Job erlebte ich den totalen Boom um das Bewerbungsfoto. Es kam mir fast vor als würden einige Kolleg*innen das Foto zum Non-Plus-Ulta der Bewerbung erheben. Ganzseitige Fotos als Deckblätter mit Lifestyle-Charakter wurden entworfen. Gerade in einem Umfeld, das dem Gleichbehandlungsgedanken verpflichtet ist, ist dieser Ansatz diskussionswürdig.

Bewerbungsfoto Pflicht?

Ein Bewerbungsfoto ist nicht immer – und vor allem nicht überall – ein MUSS. Obwohl in Deutschland das Bewerbungsfoto sehr wichtig ist, gibt es auch andere gewichtige Stimmen. In der Tat berichteten 2016 die deutschen Medien, dass Siemens das Bewerbungsfoto als unnötig empfindee. Der SPIEGEL Online meinte etwa: „Janina Kugel ist Siemens-Personalchefin – und findet Bewerbungsfotos überflüssig. „Es gibt das Risiko, dass Firmenverantwortliche auf Basis solcher Bilder beeinflusst werden und dadurch nicht die richtigen Personalentscheidungen treffen“, sagt Kugel.“ Ist dies die Meinung einer einzelnen Recruiterin? Es lohnt sich ein Blick auf andere Länder.

USA, Kanada und Großbritannien sind anders…

Abgesehen von einer Greencard und einem knappen und fesselnden Bewerbungsschreiben, ist der Lebenslauf das Um und Auf einer u.s.-amerikanischen Bewerbung. Auf Bewerbungsfotos wird absolut verzichtet – ebenso auf andere persönliche Angaben. Oft wird nicht einmal die Wohnadresse angegeben. Dies liegt natürlich auch an den strengen Antidiskriminierungsgesetzen und den Mechanismen der lokalen Rechtssprechung. Allerdings ist das Fehlen eines Bewerbungsfotos kein u.s.-amerikanischer Spleen. Auch andere anglophone Länder sehen von einem Bewerbungsfoto auf dem „resume“ oder dem „cv“ ab. Anders in China. Im ehemaligen Reich der Mitte erwarte man ein Bewerbungsfoto.

In Deutschland ist es, wie bereits angedeutet, komplizierter. Aufgrund des „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetztes“ können Sie durchaus auf Bewerbungsfotos verzichten. Mit anderen Worten: Das Bewerbungsfoto ist freiwillig. Allerdings tragen die Bewerber*innen diesem Umstand keine Rechnung und schicken munter Fotos mit. Dies liegt vielleicht auch ein wenig an diversen Bewerbungsratgebern, die erklären, wie das perfekte Bewerbungsfoto aussieht, jedoch die rechtliche Grundlage nicht erörtern. Insofern sind anonymisierte Bewerbungsverfahren in Deutschland keineswegs die Regel.

Die „romanischen“ Länder: Frankreich und Italien sowie Brasilien

Robert Half in Wien weist z.B. darauf hin, dass das Foto in Frankreich und in Spanien nicht obligatorisch sei. „Nicht obligatorisch“ heißt nicht, dass man es nicht tut. In Frankreich wird ein Foto beigelegt. Es reicht aber ein normales Passfoto. Die Französ*innen legen dafür sehr viel Wert auf standardisierte Formeln im Anschreiben. In Italien wird laut unijobs.at das Foto nur auf besonderen Wunsch beigelegt. Laut „Dein neuer Job“ aus dem Hause von „Die ZEIT“ sind Fotos in Brasilien eher unüblich.

Österreich ist nicht anders

Und wie ist es in Österreich? „Obwohl ein Bewerbungsfoto keine Pflicht ist, wird es in fast jedem Stellenangebot gefordert. Auch für Sie als Bewerber kann ein überzeugendes Bewerbungsfoto einen Pluspunkt gegenüber anderen Bewerbern darstellen. Im schlimmsten Fall kann das Foto im Lebenslauf aber auch dazu führen, dass sich die oder der Personalverantwortliche gegen Sie entscheidet.“ Dies ist ein Zitat von der Website des Arbeitsmarktservices (März 2017) – und es ist nicht einmal gegendert 😉


Wichtige Diskussion?

Mich interessieren natürlich Ihre ganz persönlichen Anmerkungen und Erfahrungen mit Fotos – ob im Österreich oder in anderen Ländern. Kommentieren Sie!

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