Bewerbungsgespräch: Arbeiten mit der „Critical Incident Technique“. Konkrete Umsetzung.

Hier geht es zum ersten Teil des Artikels über die „Critical Incident Technique“.


Im Beitrag  „Bewerbungsgespräch: Arbeiten mit der „Critical Incident Technique“. Die Theorie.“  wurde der Aufbau der CIT beschrieben. In diesem Beitrag will ich Ihnen einen Fragekatalog vorschlagen, der es Ihnen erlauben soll, ein (Job)interview ohne große Schwierigkeiten mit dieser Technik durchzuführen.

Der erste Teil fragt nach dem größten Erfolg (also nach einer sehr positiven Erfahrung), der zweite Teil fragt nach dem größten Misserfolg (also nach dem Scheitern oder einer negativen Erfahrung). Das klingt jetzt sehr banal. Aber der Kontrast hat es in sich.

Vorher sollten Sie im Gespräch definieren, wie „Erfolg“ und „Misserfolg“ zu verstehen sind. Diese Eichung ist wichtig, da Erfolg und Misserfolg etwas sehr Subjektives sind: Vor allem haben viele von uns gelernt, dass Bescheidenheit eine Zier sei und dass man Misserfolge am besten gar nicht bespricht.

Also los geht es!

Fragen nach dem größten Erfolg (Beispiele mit unterschiedlichen Formulierungen)

  • Was war Ihr größter Erfolg?
  • Worauf sind Sie beruflich besonders stolz?
  • Welches Ereignis in Ihrer Laufbahn hat Sie in Ihrer beruflichen Entwicklung besonders weit gebracht?
  • Wie hat dieser Erfolg genau ausgesehen? Worin bestand er?
  • Was war Ihr Beitrag zu diesem Erfolg?
  • Was haben Sie genau getan, damit Sich dieser Erfolg einstellt?
  • Welchen Plan haben Sie verfolgt, um diesen Erfolg einfahren zu können?
  • Welche Meilensteine haben Sie umgesetzt um diesen Erfolg feiern zu können?
  • Wie viel Prozent dieses Erfolges gehen auf Ihre Leitung zurück? Wie viel Prozent haben die Kolleg*innen beigesteuert?
  • Wie wurde dieser Erfolg honoriert? Beruflich und privat?
  • Was hat sich nach diesem Erfolgserlebnis geändert? Für Sie persönlich, bei Ihren Kolleg*innen, bei Ihren Vorgesetzten?

Die Fragen zielen nicht nur auf den Erfolg per se ab: Themen. die mitschwingen sind: Stärken und Schwächen, Teamfähigkeit, Selbstwahrnehmung, planvolles Vorgehen, Leistungsbereitschaft, inhaltliche Kompetenz…

Danach starten Sie das Kontrastprogramm. Sie fragen nach den Misserfolgen. Ermutigen Sie Ihr Gegenüber offen über Misserfolge zu sprechen, da Misserfolge Lernprozesse sind. Wir wissen alle „Success is a lousy teacher“ –  Erfolg ist ein sehr schlechter Lehrmeister. Das Problem ist nämlich, dass wir nicht gerne über das Scheitern sprechen.

Fragen nach dem größten Misserfolg (Beispiele mit unterschiedlichen Formulierungen)

  • Was war Ihr größter Misserfolg?
  • Worauf sind Sie beruflich so gar nicht stolz? Was würden Sie nicht einmal ihrem engsten Freund oder ihrer engsten Freundin beichten?
  • Welches Ereignis in Ihrer Laufbahn hat Sie in Ihrer beruflichen Entwicklung zurück geworfen?
  • Wie hat dieser Misserfolg genau ausgesehen? Worin bestand er?
  • Was war Ihr Beitrag zu diesem Misserfolg?
  • Was haben Sie genau getan, damit sich dieser Misserfolg einstellt?
  • Welche Elemente ihres Plan haben zum Misserfolg geführt?
  • Welche Meilensteine konnten Sie einfach nicht umsetzen können und haben Sie schlussendlich am Erfolg gehindert?
  • Wie viel Prozent dieses Misserfolges geht auf Sie direkt zurück? Wie viel Prozent haben die Kolleg*innen verschuldet?
  • Welche Konsequenzen hatte dieser berufliche Misserfolg für Sie beruflich und persönlich?
  • Was hat sich nach diesem Scheitern / Misserfolg geändert? Für Sie persönlich, bei Ihren Kolleg/innen, bei Ihren Vorgesetzten?

Die Fragen nach dem Misserfolg sollen zeigen, wie weit sich der oder die Bewerber/in öffnet und ob es eine Bereitschaft gibt auch in schlechten Zeiten oder bei Misserfolgen Verantwortung zu übernehmen.

Und nun viel Spaß beim Ausprobieren? Ich freue mich auf Feedback.

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Lücken im Lebenslauf – kein Problem

… oder  die amerikanische Serie „Homeland“ zeigt uns wie eine Lücke im Lebenslauf ein wahrer Booster sein kann

Ich bin ja ein großer Anhänger der Theorie, dass Spielfilme und Serien – bei oder trotz aller Unterhaltung – durchaus wichtige Dinge für unseren Alltag zeigen. „Homeland“ taucht tief in die Welt der Spionage und der u.s.-amerikanischen Politik ein. Ohne zu sehr zu spoilern – für all jene, die die Staffel 6 von „Homeland“ noch nicht gesehen zu haben – möchte ich eine Szene herauspicken, die für unser Thema hier wahnsinnig spannend ist.

Carries (Claire Danes) Freund Max (Maury Sterling) will wissen, was es mit einem gewissen Start-Up auf sich hat. Er bewirbt sich deshalb als IT-Techniker bei diesem komischen Unternehmen. Man weiß nur, dass es sich um ein Start-Up handelt und dass das Unternehmen viele Menschen einstellt. Wir sehen, wie Brett O’Keefe (Jake Weber), der Host einer ultrakonservativen TV-Show und Chef des mysteriösen Unternehmens, das Bewerbungsgespräch in der Lobby des Bürogebäudes führt. Genug gespoilert: Die Szene ist einfach köstlich und zeigt uns, wie eine Lücke die Neugierde und das Interesse sogar verstärken kann.

Da wir natürlich diese Szene aus offensichtlichen Gründen nicht präsentieren dürfen, habe ich mich entschlossen, den Dialog hier zu transkribieren:

Handelnde Personen: Brett O’Keefe (Chef), eine strenge namenlose Dame (Recruiterin) und Max als Bewerber

Brett:  Was ist los? Was ist das Problem?
Recruiterin: Es gab einige Unstimmigkeiten während des Interviews. Ausweichendes Verhalten…
Brett: Bei was?
Recruiterin: Bei einer einjährigen Lücke in seinem Lebenslauf…
Brett: Wie erklärte er diese?
Recruiterin: Gar nicht…
Brett: Und warum führen wir dann dieses Gespräch?
Recruiterin: Weil es sich um jenen Lebenslauf handelt, den Sie als nahezu perfekt auswählten.
Brett: In Ordnung. Ich werde mit ihm sprechen…
(Brett drückt der Recruiterin seine Getränkedose in die Hand und geht zu Max, der auf einer Bank in der Lobby sitzt)

Brett: Max … Pee—trovski? …
(Max nickt)
Brett: Das ist mal ein Lebenslauf, Max. Hardware, Software, Sicherheitsfreigaben, dreifache Bedrohung, ich nehme mal an, dass es sich hierbei um PRISM handelt?
Max: Okay?
Brett: Für die CIA?
Max: Nein
Brett: Also wahrscheinlich kein unmittelbarer Angestellter…
Max: Ich halte die Politik nicht aus. Gerade jetzt…
Brett: Ich verstehe Sie, oh Gott, wie ich Sie verstehe… Also Max, hat sie Ihnen verraten, was das Problem ist?
Max: Sie hat nicht gesagt, dass es da ein Problem gäbe…
Brett: Oh doch, da ist eins… Hat sie Sie nicht nach dem fehlenden Jahr dort gefragt… Wollen Sie es mir nicht verraten?
Max: Nein
Brett: Nun dann sind wir bedauerlicherweise fertig…
(Max steht auf und geht Richtung Ausgang)

Brett: Max, bitte helfen Sie mir aus dieser Situation raus. Ich will nicht, dass wie hier so enden. Ich denke, dass Sie sehr gut hierhin passen würden. Aber Sie kennen das ja! Lücken machen Menschen nervös. Sie müssen wir da irgendwas geben!
Max: Es ist privat!
Brett: Wir wissen doch, Sie und ich! Nichts ist mehr privat, oder…
(Max greift zum Klemmbrett mit dem Lebenslauf und schreibt ein 2015:  „M + M“ in die Lücke im Lebenslauf.

Brett: M und M?
Max: Dieses Jahr von da an bis dorthin, verbrachte ich damit Meth zu rauchen und zu masturbieren…
Brett: Und was verursachte diese Talfahrt?
Max: Ich arbeitete… in Übersee… ich verlor jemanden, der mir wichtig war. Sie wurde getötet. Ich verbrachte dieses Jahr damit, mir zu wünschen, ich sei es gewesen…“
Brett: Sie warten hier.
(Brett geht zur Recruiterin zurück)
Brett: Gabel ihn auf, er wird uns verstärken…

Ausgangspunkt der Szene ist, dass die gestrenge Recruiting-Dame ihren Chef fragt, was sie mit dem Bewerber zu tun habe. Lücken sind offensichtlich ein Knock Out-Kriterium des Unternehmens, doch der Lebenslauf ist in den anderen Bereichen nahezu perfekt. Die Lücke verstärkt also das Interesse deutlich. Die Recruiterin ist unsicher, was sie tun soll und sucht den Rat ihres Vorgesetzten.

Der „Poker“ beginnt…

Brett O’Keefe befragt Max und will wissen, was es mit der Lücke auf sich hat. Max reagiert distanziert, nuschelt etwas von „privat“ etc. Der Poker beginnt. O’Keefe erklärt das Gespräch für beendet, Max dreht sich um,. O’Keefe holt ihn zurück. Schlussendlich füllt er die Lücke mit „M+M“ aus… der nächste Big Point für Max… Schlussendlich öffnet er sich und erzählt eine herzzerreißende Geschichte… Er wird eingestellt.

Worum geht es bei der ganzen Geschichte? Max, als Freelancer im Sicherheitsgewerbe und Auftragnehmer der CIA und anderen Diensten, ist ein Spezialist für Social Media, Programmierung etc. Er will unbedingt in besagtes Unternehmen hinein, weil er wissen will, was dort abgeht. Er präsentiert eine Vita, die so unwiderstehlich ist, dass man ihn nehmen muss. Die Lücke ist mit hoher Wahrscheinlichkeit bewusst platziert worden, um den allzu perfekten Lebenslauf zu brechen und davon abzulenken, dass hier etwas faul sein könnte.

Und auch seine Reaktion beim Gespräch ist toll. Er pokert hoch. Er ziert sich sehr lange und testet somit seinen Wert. Er macht sich somit noch interessanter… Auch bei der Erklärung der Lücke setzt er drei Schritte ein: Zuerst es ist „privat“, dann beharrt er darauf, dass es „privat“ ist und zum Schluss schreibt er ein kryptisches „M+M“ hin. Dadurch wird das ganze noch plausibler, noch menschlicher und noch besser.

Wie können Lücken also helfen

Voraussetzung ist, dass der Lebenslauf passt. Berufserfahrung, die nicht zur Ausschreibung passt und dies in Kombination mit Lücken: eigentlich ein Ausscheidungskriterium. Mit anderen Worten: Ihre Berufserfahrung sollte im Großen und Ganzen passgenau sein. Topf- und Deckel ist hier das Thema. Wenn dem so ist, ist eine Lücke verschmerzbar und macht eventuell sogar noch interessanter.

Wenn es keine Lücken im Lebenslauf gibt, sollte auch nicht unbedingt eine erfunden werden. Wenn Sie nahtlos von einem Job in den anderen gewechselt sind, dann ist das gut. Und keine Lücke der Welt, kann da irgend etwas verbessern. Damit kein Missverständnis entsteht: Ich will nicht dazu animieren, Lücken in den Lebenslauf einzubauen. Es geht mir darum, das Potenzial zu nutzen und Ihnen als Bewerber/in die Angst davor zu nehmen. Das Wichtigste ist: Seien Sie glaubhaft.

Vermeiden Sie die bloße Angabe von Jahreszahlen um Lücken zu kaschieren. Auch wenn wir es bei Max im Filmausschnitt sehen, dass auch er nur Jahreszahlen angibt, so ist dies selten günstig. Zum einen sind amerikanische Lebensläufe um einiges ausführlicher, was die Beschreibung der Berufserfahrung betrifft, zum anderen ist es bei uns so, dass die reine Angabe von Jahreszahlen automatisch auf eine Lücke schließen lässt. Wenn ich 2015 bis 2016 bei einem Unternehmen XY gearbeitet habe, dann können dies zwei Monate oder zwei volle Jahre sein. Also hier auch Mut zu Lücken, wenn die Jobwechsel nicht nahtlos waren.

Die Lücke sollte nicht allzu lang sein. Wenn die Lücke länger als ein Jahr dauert, wird es meist schwierig. Lücken sorgen für Neugier. Sie werden meist von den Recruiter/innen „negativ“ aufgefüllt. Mit anderen Worten: Die Recruiter/innen gehen davon aus, dass entweder eine längere Arbeitslosigkeit, eine Krankheit oder etwas ähnliches vorliegt. Lücken sind also per se nicht zu empfehlen – und müssen irgendwann erklärt werden.

Wenn Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, dann wird die Lücke mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Thema sein. Das ist fast so sicher, wie die Tatsache, dass Obelix in den Zaubertrank gefallen ist. Die gute Nachricht: Ihr Lebenslauf ist so interessant für das Unternehmen, dass Sie eine Einladung bekommen haben.

Beim Vorstellungsgespräch empfehle ich daher, nicht sofort mit einer fertigen Geschichte rauszuplatzen. Das könnte einstudiert wirken und einen Boomerang-Effekt erzielen. Vor allem, wenn es sich um eine sehr persönliche Angelegenheit handelt, sollte man nicht sofort damit rausrücken. Lassen Sie sich ruhig ein wenig die Worte aus der Nase ziehen. Denken Sie an Max, der zunächst einmal mit „privat“ antwortet.

Aber Achtung: Es kann auch sein, dass ihr Gegenüber die Geduld schnell verliert. Wenn Sie nicht pokern wollen, dann rücken Sie relativ schnell mit der Geschichte raus. Um Ihr Unwohlsein und Ihre Menschlichkeit in den Vordergrund zu stellen, hilft vielleicht ein kleines Räuspern oder ein verbales „Nun ja… also…“ – und ein weiteres Räuspern.

Die Sache mit der Pflege

Vermeiden Sie Allerweltsangaben wie „sabbatical“ oder „Pflege eines Angehörigen“ – vor allem die Pflege wird in Lebensläufen so oft genommen, um Lücken zu kaschieren, dass man verwundert sein muss, dass es in unseren Breitengraden ein Pflegeproblem gibt! Auch wenn Ihnen dies jetzt pietätlos oder zynisch vorkommt… es ist leider eine Tatsache, dass die Pflege eines Angehörigen auch bisweilen empfohlen wird um eine Lücke zu kaschieren. Die Verlockung ist groß, da viele Bewerber/innen glauben, dass man es nicht nachprüfen kann… Daher wenn Sie ihre Angehörigen gepflegt haben, richten Sie sich auf Detailfragen ein, die Sie ja dann auch bravourös beantworten können.

Die Sache mit der Authentizität – oder ist Lügen absolut verboten?

Lebensläufe sind in der Regel geschönt. Das liegt alleine schon daran, dass wir uns kurz fassen müssen. Das Wort „Projektleitung“ kann viele Bedeutungen haben. Daher finde ich die Tipps, dass absolute Ehrlichkeit und Authentizität angebracht ist, etwas komisch. Wir wollen uns automatisch von unserer besten Seite darstellen. Das tun Bewerber/innen und Unternehmen gleichermaßen. Daher gilt für mich im Umgang mit Lücken das Motto:„Glaubhaft sein und abliefern können“. Wenn Sie noch nie einen Gabelstapler gefahren sind, dann sollten Sie sich der Tatsache bewusst sein, dass Ihre Kolleg/innen das sofort mitbekommen, wenn Sie das erste Mal auf den Bock steigen … und so ist es auch bei den Lücken. Wenn Sie eine Lücke mit einem Auslandsaufenthalt in den USA kaschieren und dann keine näheren Angaben zu Ihrem Aufenthalt machen können oder Ihr Englisch hundmiserabel ist, dann funktioniert das nicht: Glaubhaft sein und abliefern können – das ist daher das Um und Auf.

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Bewerbungsquiz für Zwischendurch

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Bessere Lebensläufe …

(c) Photorack.net

oder wie Sie verhindern, dass Ihr Lebenslauf Sie dequalifiziert.

Das Sprichwort „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ ist mir noch allzu gut im Gedächtnis. Für Lebensläufe gilt dieses Sprichwort aus meiner Sicht mehr denn je. Allerdings mit einer kleinen Ergänzung. „FALSCHE Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ sollte als eine Art inoffizielles Motto beim Abfassen des Lebenslaufs gelten.

Worauf kommt es beim Lebenslauf an?

Das Bewerbungsportal Karriere.at versuchte diese Frage zu beantworten und startete vor einiger Zeit eine Umfrage. Man befragte 123 Personalverantwortliche nach den K.O.-Kriterien in einem Lebenslauf.

Knapp 40 Prozent der Befragten bemängelten, dass sich in den Lebensläufen sehr oft irrelevante – also für die ausgeschriebene Position unwichtige – Informationen befänden. Knapp 1/3 der Befragten gab an, dass viele Kandidat/innen sich mit einer schlechten Struktur und wenig übersichtlichen Unterlagen aus dem Rennen kicken würden und 22 Prozent der Umfrageteilnehmer/innen führten die Lücken als K.O.-Kriterium an. Fast schon süffisant kommentierte „Der Standard“ diesen Punkt: „Die vielzitierten „bunten“ Biografien der modernen Arbeitswelt, in denen auch Brüche und Lücken nicht schaden, sind offenbar in der Wirklichkeit noch nicht angekommen.“ Veraltete Angaben spielen hingegen nur bei 6 Prozent der Befragten eine Rolle. Der Spagat ist also schwierig. Der Lebenslauf soll passgenau sein, Lücken sind jedoch trotzdem ein Thema – und das Ganze soll auch noch schnell lesbar sein, was nicht zwangsläufig bedeuten soll, dass ein Lebenslauf nicht länger als eine Seite sein darf. Grundsätzlich gilt: „Gut gegliederter Inhalt, kommt vor der Form“.

Genauigkeit bei den Jahreszahlen

Die Relevanz der gemachten Angaben und Lücken ist natürlich ein besonders heißes Eisen, wenn es um die genaue Angabe der Dienstverhältnisse geht. Die alleinige Angabe von Jahreszahlen ohne Monate bedeutet für viele Personalist/innen schlichtweg, dass eine Lücke kaschiert werden soll. Die tatsächliche Berufserfahrung wird meistens mit einer Angabe im Stil von „2014-2015“ eher verschleiert. Der/die Bewerber/in kann in diesem Fall zwei Monate, aber auch zwei volle Jahre gearbeitet haben. Die mögliche Spannweite ist in jedem Fall so groß, dass nur sehr schwer eine Bewertung vorgenommen werden kann. Wenn Personalist/innen eine Berufserfahrung von 3 Jahren erwarten, sollte dies in etwa 36 Monaten entsprechen und nicht drei Kalenderjahren.

Auch Inhalte bei einem Praktikum angeben

Auch Praktika sind Berufserfahrung. Bei jungen Kandidat/innen sind sie oft die einzige Erfahrung, die vorhanden ist. Daher sollten die Erfahrungen und Lernprozesse, die in Praktika gemacht wurden (sofern keine Praktikumsbestätigung vorliegt, was auf jeden Fall sinnvoll ist) noch einmal im Lebenslauf aufgeschlüsselt werden. Der Grund: etwas was als Praktikum deklariert wird, kann auch ein verstecktes Dienstverhältnis gewesen sein. Mit anderen Worten: Der/die Praktikant/in wurde vielleicht genauso eingesetzt wie die übrigen Angestellten, mit dem alleinigen Unterschied, dass er oder sie nur auf Praktikumbasis im Betrieb war. Auch Ferialpraxis (Ferienjobs) sollten bei jungen Kandidaten nicht so schnell unter den Tisch fallen  – vor allem sind Ferienjobs während einer Ausbildung auch ein schöner Indikator dafür, dass man „etwas tut“.

Leih- und Personalfirmen

Ich sehe immer wieder in Lebensläufen, dass der Name der Leih- und Personalfirma angegeben ist. Dies ist grundsätzlich richtig, da es ja schließlich jene Firme ist, bei der die/der Kandidat/in angestellt war. Allerdings gilt meiner bescheidenen Meinung nach bei Personalfirmen ein anderer Maßstab. Sie sind eine „verwaltungstechnische Größe“ und sagen nichts über meine tatsächliche berufliche Erfahrung aus. Daher kann man es leicht auf den Punkt bringen: Bitte nicht nur den Überlasser hinschreiben. Es bringt wenig, wenn man als Dienstgeber Manpower, Adecco oder Jobbox hinschreibt und tatsächlich als KFZ-Techniker für Rheinmetall MAN gearbeitet hat. Sollte man bei einem Personaldienstleister über einen längeren Zeitraum zu unterschiedlichen Unternehmen geschickt worden sein, gilt wieder das Relevanzprinzip. Führen Sie bitte nur jene Positionen an, die für die Bewerbung wichtig sind.

Auf den roten Faden achten

Und dies bringt mich zu meinem nächsten Punkt. Zwecks Illustration möchte ich einen Fall aus meiner Praxis erzählen, der stellvertretend für etliche Lebensläufe ist. Einer meiner jungen Kandidaten verzeichnete eine ganze Reihe an unterschiedlichen Beschäftigungen, was ja eigentlich löblich ist: Eine angebrochene Lehre im technischen Bereich, eine Anstellung in einem Supermarkt, eine Anstellungs als Botenfahrer und eine geringfügige Anstellung („Minijob“) als Sicherheitsmitarbeiter bei Konzerten und Fußballveranstaltungen standen zu Buche. Wo liegt hier der rote Faden? Der Eindruck ist natürlich klar: Der Kandidat nimmt gerade das, was er bekommt, hat keine klare Zielvorstellung und springt von einer Tätigkeit zur nächsten. In Fällen wie diesen, sollte man versuchen den Lebenslauf zu „bügeln“. Ein einmonatiges Engagement als Botenfahrer kann schon mal aus dem Lebenslauf gestrichen werden, wenn es für die angestrebte Position keine Rolle spielt. Wenn die Lücke dadurch nicht zu groß wird und einen gewissen Erklärungsbedarf hervorruft, ist dies durchaus ein probates Mittel.

Online-Profil und Lebenslauf müssen passen

Hält Ihr Online-Profil auf XING und LinkedIn Schritt mit Ihrem Lebenslauf? Oder verschieben sich die Angaben sehr deutlich, wenn man beide miteinander vergleicht? Sind Sie auf Facebook zu finden und geben dort ein anderes Bild von sich als in der Bewerbung? Dann sollten Sie ihre Profile auf Vordermann oder Vorderfrau bringen. Mittlerweile werden Profile auch gegoogelt. Personalentscheider/innen versuchen natürlich Informationen über Sie im Netz zu finden und werden diese abgleichen. Vielleicht nicht beim ersten Vorstellungsgespräch, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit dann, wenn Sie in die engere Auswahl kommen.

Bewerben auf Positionen, in denen Sie das meiste Know-How haben

Eigentlich logisch. Sollte man meinen. Die Chancen eine Arbeitsstelle zu finden, steigen natürlich, wenn ich mich auf Jobs spezialisiere, in denen ich die meiste Erfahrung mitbringe. Diese Binsenweisheit wird jedoch nicht immer umgesetzt. Das kann ungeahnte Folgen haben. Viele Jugendliche absolvieren eine Lehre und kommen dann drauf, dass sie den erlernten Beruf nicht mehr ausüben wollen. Anstatt sich zumindest eine verwandte Position zu suchen, nehmen Sie irgend eine Hilfstätigkeit an. Ein KFZ-Mechaniker wechselte so zum Beispiel in den Lebensmittelhandel. Natürlich wird die Rückkehr in den angestammten Beruf von Tag zu Tag schwieriger. Grundsätzlich ist es natürlich kein Problem nicht nur die Arbeitsstelle und die Firma zu wechseln. Viele streben sogar einen kompletten Berufswechsel an. Allerdings ist ein häufiger Berufswechsel (Verkauf, Zustellung, Gastronomie, Bau) natürlich auch etwas, das in einem Zeitalter der zunehmenden Spezialisierung nicht unbedingt positiv gesehen wird. Daher empfehle ich Vorsicht. Sollten Sie unzufrieden mit ihrem Job sein, prüfen Sie bitte genau, ob es am Job an sich oder an ihrem Arbeitsumfeld liegt. Vielleicht reicht auch ein Abteilungs- oder Firmenwechsel. Sollte es zutreffen, dass Sie mit der Tätigkeit an sich nichts mehr anfangen können, prüfen Sie verwandte Berufe. Das erleichtert auch den Umstieg und in der Folge die Jobsuche.


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