Äpfel mit Birnen vergleichen – oder misstraut gelegentlich (Arbeitsmarkt)-Statistiken

Die Wissenschaft beweist…

Angeblich soll Winston Churchill das Bonmot geprägt haben, dass er nur jenen Statistiken Glauben schenke, die er selbst gefälscht habe. Mir gefällt der Satz des britischen Humoristen Lionel Strachey noch besser: „Die Statistik ist eine große Lüge, die aus lauter kleinen Wahrheiten besteht.“

Die österreichischen Tageszeitungen  „Die Presse“ und „Heute“ veröffentlichten am 28. Juli jeweils einen Artikel zum selben Thema. „Die Presse“ präsentierte unter dem auflagenträchtigen Titel „Österreicher lieber arbeitslos als Billiglohnempfänger“  die neueste Ausgabe des Randstad Workmonitors. Der Lead weist dann auf ein zweites Thema hin: „Auch mit dem Auswandern könnten sich die Österreicher nicht so anfreunden, um in einen angestrebten Job einzusteigen. Nur 38 Prozent würden einer Umfrage zufolge vorübergehend ins Ausland ziehen.“ Randstad – ein niederländischer Personaldienstleister, der 1960 gegründet wurde und seit 2013 auf dem österreichischen Markt ist – gehört zu den größten Personaldienstleistern weltweit. Das Unternehmen kaufte 2013 USG People. Der Konzern ist laut eigenen Angaben in 39 Ländern an 4.400 Standorten aktiv.

Noch pointierter präsentierte die Wiener Gratiszeitung „Heute“, die ja unterschiedlichen Berichten zufolge bald in den Genuss von Presseförderung kommen soll,  dasselbe Thema: „Österreicher lieber arbeitslos als unterbezahlt.  Eine neue Studie enthüllt: 72 Prozent der Österreicher wären lieber arbeitslos, statt einen Job mit niedrigen Gehalt oder einer niedrigen Position zu akzeptieren.“

Interessant ist der Vergleich dieser beiden Schlagzeilen mit Randstad selbst, die Ihre Studie über OTS mit dem Titel: „Umschulen, Weiterbilden, Auswandern – Wie viel Veränderung akzeptieren die Österreicher für den Job?“ vorstellten und damit die wichtigsten Parameter der Umfrage gleich in den Titel ihrer Presseaussendung positionierten. Presseaussendungen folgen jedoch teilweise anderen Konzepten als publizierte Artikel.

Zum Inhalt

Aber zurück zu Lionel Strachey und den kleinen Wahrheiten. „Heute“ und „Die Presse“ zitieren vollmundig den Workmonitor-Report des 2. Quartals und behaupten, dass die Menschen in Österreich lieber arbeitslos wären, als einen schlechter bezahlten Job anzunehmen. Allerdings ist dies nicht ganz korrekt. Die offizielle Fragestellung des Personaldienstleisters lautete: „Ich würde ein niedrigeres Gehalt oder eine berufliche Degradierung akzeptieren, um meinen Job zu behalten.“ 28 Prozent der Befragten konnten der Aussage zustimmen. 3 Prozent stimmten dieser Aussage sogar „voll und ganz“ zu.  Allerdings suggerieren sowohl „Heute“ als auch „Die Presse“, dass die Fragestellung von Randstad wie folgt lautete: „Ich würde lieber arbeitslos sein, als ein niedrigeres Gehalt oder einen berufliche Degradierung zu akzeptieren.“ Inspiriert vom  Randstad-Ergebnis, startete“Heute“ eine Umfrage, die den Akzent deutlich verschiebt. Wie repräsentativ das Ergebnis ist, kann nicht gesagt werden. „Heute“ wird mehrheitlich in Wien gelesen und eine Alternativ-Fragestellung funktioniert ein wenig anders als eine Aussage, der man mehr oder weniger zustimmen soll und kann. Aber lesen Sie selbst:

Umfrage
Arbeiten ja, aber nicht um jeden Preis?
Ich würde auch unterbezahlt arbeiten, ich kann mich dann noch immer um einen neuen Job umsehen. 33 %
Zu wenig Geld? Dann lieber arbeitslos und ich suche, bis ich was Passendes habe. >67 %
Insgesamt 547 Teilnehmer

Gender Pay Gap

Eine genauere Darstellung der Zahlen aus dem „Workmonitor“ von Randstad wäre im Rahmen der Berichterstattung wichtig gewesen. Laut Studie könnten sich 35 Prozent der männlichen Befragten vorstellen, eine schlechtere Bezahlung / Degradierung zu akzeptieren, um den Job zu sichern. Bei den Frauen seien es nur 22 Prozent. Mit anderen Worten: Frauen in Österreich wollten in weitaus geringerem Ausmaß Gehaltseinbußen zwecks Jobsicherung hinzunehmen, als ihre männlichen Kollegen. Woher kommt dieser Unterschied? Er wird weder von den Studienautor*innen erklärt, noch von den Medien thematisiert.

Als Blogger darf ich ein wenig über eine Antwort spekulieren. In Österreich verdienen Frauen im Schnitt noch immer ca. 21 Prozent weniger als Männer. Auch übernehmen Frauen deutlich öfters Teilzeitpositionen als ihre männlichen Kollegen. Mit anderen Worten: Die Einkommenssituation vieler Frauen in Österreich ist schlechter als jene der Männer. Dies könnte erklären, wieso deutlich mehr Frauen eine schlechtere Bezahlung / Degradierung nicht gerade als Option zur Jobsicherung ansehen.

Äpfel- und Birnenstatistik

Weiters sind die Vergleiche zwischen 33 sehr unterschiedlichen  Ländern nur bedingt aussagekräftig. Vor allem, wenn man Länder wie Indien, Luxemburg, die USA und Österreich nebeneinander stellt. Es sind halt Äpfel, die mit Birnen, Grapefruits und Nüssen verglichen werden. Nehmen wir beispielsweise Argentinien. Das Land in Südamerika verzeichnet mit über 8 Prozent Arbeitslosenquote eine deutlich höhere Arbeitslosigkeit als Österreich. Dennoch würden – Laut Studie –  noch weniger Menschen eine Degradierung/Schlechterstellung beim Gehalt in Kauf nehmen als in Österreich. Klingt komisch, ist aber so. Dafür würden 62 Prozent der Argentinier*innen für einen neuen Job ins Ausland abwandern. In Österreich seien es angeblich nur 36 Prozent (dazu später mehr). In Argentinien ist das Arbeitslosengeld ebenfalls anders geregelt als in Österreich. Es wird mit laufender Dauer gekürzt, um den Anreiz nach einer neuen Arbeit zu erhöhen. Die Dauer der Unterstützung hängt noch viel stärker als in Österreich von den vorhergehenden Versicherungszeiten ab.

 

Österreicher*innen wenig mobil – wirklich? Fehler in der Darstellung

Was in anderen Beiträgen in diesem Blog bereits festgestellt wurde, wird auf den ersten Blick auch durch die Randstad-Umfrage dokumentiert. Die Menschen in Österreich sind wenig mobil, wenn es um eine neue Stelle geht. So würden – wie bereits gesagt – nur 36 Prozent („Heute“ nennt aus unerfindlichen Gründen 38 Prozent sic!!!) der Befragten ins Ausland wechseln, wobei der Gender-Aspekt auch hier sehr interessant ist. Laut Umfrage könnten 55 Prozent der weiblichen Befragten und lediglich 40 Prozent der männlichen „Probanden“ sich vorstellen ins Ausland zu wechseln… Wie war das?  Moment, da passt etwas nicht: Wenn 55 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer ins Ausland wechseln würden … wie kommen wir dann auf einen Durchschnittswert von 36 Prozent? Es müssten doch dann deutlich mehr als 40 Prozent der Befragten sich bereit erklären, bei fehlenden Jobangeboten, ins Ausland zu wechseln.

Die Studie listet auch unterschiedliche Altersgruppen auf. Machen wir die Gegenprobe beim Altersschnitt: Alle Altersgruppen weisen einen Wert von mindestens 50 Prozent (Altersgruppe der 35 – 40-Jährigen) auf. Nehme ich hier den Durchschnittswert müsste ich also ebenfalls über 50 Prozent an Zustimmung zur Aussage kommen. Betrachten wir die Ergebnisse nach Männern und Frauen, kommen wir auf einen Durchschnittswert von gerundet 48 Prozent (40 Prozent der Männer stimmen der Aussage zu und 55 Prozent der Frauen). Welchen Wert dürfen wir denn nun veranschlagen: ein Drittel (36 Prozent), knapp die Hälfte (48 Prozent) oder doch mehr als der Hälfte?

Dies sind nur einige Unschärfen, die ich entdeckt habe und die kommentarlos von den Medien übernommen wurden. Auf die Frage: „Ich muss mich laufend weiterbilden, um am Arbeitsmarkt vermittelbar zu bleiben bzw. noch besser vermittelbar zu werden“ geben die meisten Befragten eine deutlich positive Antwort. Im internationalen Vergleich spricht Randstad von einer hohen Zustimmung und gibt im Ländervergleich als höchsten Wert 56 Prozent an. Österreich würde 18 Prozent erreichen. Wie kann man da von einer hohen Zustimmung sprechen? Des Rätsels Lösung: Die Balken stellen nicht die hohe Zustimmung dar, sondern die niedrigen Ablehnungswerte.

Es kann natürlich an meinen Rechenkünsten liegen, dass ich etwas übersehe und die Zahlen von Randstad stimmen. Aber soweit ich informiert bin, müssen Prozentangaben immer passen- Für mich gilt also der Satz von Erich Kästner immer mehr: „Misstraut gelegentlich euren Schulbüchern! Sie sind nicht auf dem Berg Sinai entstanden…“ (Aus „Ansprache zum Schulbeginn“). Im Zeitalter von Copy & Paste gilt dies mehr denn je. Und gerade bei einem so wichtigen Thema, wie jenem der Erwerbsarbeit, sollte man schon genau sein. Egal ob bei „Randstad“, „Heute“ oder „Die Presse“…


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Sommerzeit = Bewerbungszeit

eisIm Sommer steigen die Temperaturen; parallel fällt die Anzahl der Jobangebote… Dies ist ein alter Glaube, der nur auf den ersten Blick stimmt. Erlebte Tatsache ist, dass Sie in den Wiener Öffis deutlich weniger Menschen antreffen; viele sind auf Urlaub, einige pflegen ihre Sommergrippe. Auch  Telefonate werden weit weniger gerne verbunden und sie landen bei Ihren Recherchecalls oft auf der Mailbox oder in der Warteschlange.

Keine guten Voraussetzungen für die Jobsuche. Dieses Mantra höre ich immer wieder. Doch in Wahrheit gilt der Satz: „Sommerzeit = Bewerbungszeit“. Denn viele Firmen nutzen den ruhigeren Sommer für Personalplanungen und bereiten das letzte Quartal des Jahres vor. Außerdem ist der Sommer auch eine Zeit in der Vertretungen ihre Chance wittern. Krankenstände und Urlaub auf der einen Seite, Auftragsspitzen aufgrund der Wetterlage (Bau, Gastronomie, Festivals etc.) auf der anderen Seite sind wichtige Faktoren, die den Sommer zur Bewerbungszeit werden lassen.

Geduld ist gefordert

Die Mühlen mahlen im Sommer allerdings deutlich langsamer. Den ewig Ungeduldigen unter uns sei an dieser Stelle ins Stammbuch geschrieben: „Und das ist gut so“. Denn im Sommer bekommen Personalabteilungen die Möglichkeit, abseits vom Tagesgeschäft, sich intensiver mit Bewerber/innen zu beschäftigen oder gar strategisch vorzugehen. Planung ist nun einmal alles und diese ist im Sommer viel leichter, da das Telefon nicht alle zwei Minuten klingelt und auch generell mehr Ruhe in die Büros einkehrt. Viele Einzelhändler/innen sperren an Samstagen komplett zu und haben mehr Zeit um Liegengebliebenes aufzuarbeiten.

Die Konsequenz: es kann natürlich etwas länger mit einer Antwort auf Ihre Bewerbung dauern. Sollten Sie nicht gerade in einer Branche arbeiten wollen, die schönwetterabhängig ist, können etwas längere Wartezeiten sogar ein gutes Zeichen sein. Wie gesagt: Weniger Bewerber/innen und mehr Zeit die einzelnen Bewerbungen zu bearbeiten sind zwei Parameter, die Sie im Sommer einkalkulieren sollten. Gerade wenn es etwas länger dauert, empfiehlt es sich  sparsam mit Nachfragen zu sein. Im Sommer erreichen Sie viel schneller Entscheidungsträger/innen (vor allem an Nachmittagen) . Daher sollten Sie Ihre Nachfragen wohl dosiert und platziert einsetzen.

Deutlich weniger Konkurrenz

Viele Bewerber/innen sind im Bad oder auf Urlaub. Dies hat weitreichende Konsequenzen für alle, die eine Veränderung brauchen oder einen neuen Job suchen. Viele von jenen, die unauffällig ihren Marktwert testen oder aus Frustrationsgründen Bewerbungen veschicken, fallen aufgrund der Urlaubszeit weg. Frustschachteln laden die Batterien neu auf, es ist vielleicht generell weniger zu tun und daher sind alle etwas entspannter. Also wieso sollte man sich bewerben? Die Antwort liegt auf der Hand.

Zwei kurze Geschichten möchte ich Ihnen mit auf den Weg gehen. Meine eigene ist schnell erzählt. Meine letzten Jobs bekam ich alle Ende Juli, Mitte August oder Ende August. 2006 fing ich bei einer Firma als Vertretungstrainer an – als klassische Urlaubsvertretung. Zunächst einmal für 6 Wochen. Aus 6 Wochen wurden 9 Wochen. Aus 9 Wochen wurden mit kleinen Unterbrechungen 5 volle Jahre. Chance genützt!

Die zweite Geschichte ist spannender. In meinem aktuellen Unternehmen haben wir einen Elektriker oder eine Elektrikerin gesucht – Zeitarbeit. Der Auftrag war fix; die Anforderungen nicht wirklich aufregend: Lehrabschluss mit einigen Jahren Erfahrung im Bereich Wohnungsinstallationen. Ich sagte ja: nicht aufregend. Stemmen und Schlitzen, Kabel ziehen, Verteiler, Steckdosen etc. Jede/r Häuselbauer/in oder Fan von „Hört mal wer da hämmert“ kennt das. Sie ahnen ja nicht, wie schwer es war, einen solchen Mitarbeiter oder eine solche Mitarbeiterin aufzustellen. Wir waren gut vorbereitet. Bereits im Früjahr wurden Lebensläufe gesammelt. Wir telefonierten zu dritt den gesamten Pool an Mitarbeiter/innen mit LAP Elektro durch. Alle nicht mehr verfügbar oder auf URLAUB! Was es zu beweisen galt. Ich rief einige der jüngeren Semester aus den AMS-Kursen durch! Dasselbe Ergebnis! Entweder zu weit weg (auch so ein Thema), man sei schon beschäftigt oder man könne erst im August arbeiten, da man im Juli auf URLAUB sei!  Nichts gegen Urlaub. Schon gar nicht, wenn Familie im Spiel ist. Der Urlaub ist jedem Menschen vergönnt und Pauschalreisen zu stornieren ist gar nicht so einfach…

Was ist jedoch damit sagen will: All jene, die es sich einrichten können, haben im Sommer eine echte Chance auf einen Job. Wir haben schlussendlich einen Mitarbeiter gefunden. Er war zwar schon etwas älter, meinte jedoch, dass er durch die Arbeitslosigkeit lang genug auf Urlaub gewesen sei. Mich freute die Geschichte doppelt. Hier bekam ein Mitarbeiter eine Chance, der die Situation erkannt hatte.

Nutzen Sie den Sommer um sich zu verändern! 5 Tipps.

  1. Da die Personaler/innen sich mehr Zeit nehmen können, schauen diese vielleicht auch etwas genauer hin. Pflegen Sie also Ihre Webauftritte und Social-Media-Profile. Achten Sie darauf, dass Ihr XING-Account oder Linked-In-Profil – oder wie auch immer das Ding heißt – mit den Angaben in Ihrem Lebenslauf deckungsgleich ist. Dieser Tipp ist auch im Frühling, Herbst und Winter richtig und wichtig 😉
  2. Sommerzeit = Initiativbewerbungszeit. Da viele Unternehmen ihre strategischen Ausrichtungen im Sommer vornehmen und ein neues Durchstarten mit September oder Oktober geplant ist, sollten Sie im Sommer verstärkt auf Recherche und Initiativbewerbungen setzen.
  3. Sommerzeit = Recherchezeit. Informieren Sie sich weitgehend. Journalistisch gesehen ist der Sommer eine Saure-Gurken-Zeit. Da ist der Artikel über eine neue Filiale, die im Herbst eröffnen soll oder der Neubau eines Einkaufszentrum vielleicht etwas prominenter gesetzt. Nutzen Sie diese Infos und bewerben Sie sich rechtzeitig.
  4. Und noch ein Vorteil bietet der Sommer. Aufgrund von kurzfristigen Engpässen, die durch Urlaube und Krankenstände verursacht werden können, ist es leichter in einer Firma unterzukommen, wenn man gewillt ist, eine Aushilfstätigkeit oder eine Befristung in Kauf zu nehmen. Es soll ja schon Leute gegeben haben, die den Urlaub in Firma A dazu nutzten um in Firma B auszuhelfen. Nein, jemand der das macht, ist nicht von allen guten Geistern verlassen, sondern denkt strategisch. Achten Sie nur auf die Konkurrenzklauseln in ihrem Dienstvertrag.
  5. Sommerzeit = Zeitarbeitszeit. Nutzen Sie die Möglichkeit durch einen Übergangsjob Stehzeiten zu verkürzen, neue Kontakte zu knüpfen und sich für weitere Aufgaben zu empfehlen. Denn eine Vertretung kann leicht zu einem dauerhaften Gastspiel werden.

Und noch ein paar abschließende Tipps:

Sollten Sie sich im Sommer bewerben und Ihre wohlverdiente Freizeit im Freibad oder am Stand verbringen, seien Sie trotzdem erreichbar. Gerade wenn Sie im Ausland weilen, sollten Sie trotzdem Ihre E-Mails prüfen und Ihr Telefon eingeschaltet lassen. Der Job könnte sonst schnell weg sein. Last but not least… Beim Vorstellungsgespräch bitte auf eine passende Kleidung achten. Flip-Flops und Bermuda-Shorts schauen zwar in der Strandbar lässig aus, sind jedoch beim Vorstellungsgespräch nicht wirklich angebracht… auch wenn das Thermometer 30 Grad Celsius anzeigt und Ihr Gegenüber auf Bekleidungsvorschriften pfeift. Chefs dürfen das 😉 !

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Fast ein Viertel der Wiener Lehrlinge fällt durch…

23,71 Prozent der Wiener Lehrlinge fielen 2016 bei der Lehrabschlussprüfung durch. Wien bekleidet damit im Bundesländerranking den zweiten Platz. Nur in Tirol fallen noch mehr Lehrlinge bei der LAP durch (24,71 Prozent). Die Lehrlingsstatistik, die von der WKO jährlich publiziert wird, wird von der Wiener Gratiszeitung gewohnt plakativ aufgegriffen. Bereits ein erster Blick in die Statistik zeigt, dass die Situation in Tirol und in Wien besonders dramatisch ist. In Ober-und Niederösterreich fällt „nur mehr“ jede/r Fünfte bei der Lehrabschlussprüfung durch. In Kärnten und in der Steiermark sind es knapp über 15 Prozent.

Ein genauer Blick auf die (Wiener) Statistik erscheint mir besonders wichtig. Tatsächlich ist es so, dass die Ergebnisse auch innerhalb der Branchen sehr stark auseinanderdriften. So weisen die „Überbetrieblichen Lehrausbildungen“ eine besonders hohe Durchfallquote auf. In Wien sind es immerhin 32,31 Prozent aller überbetrieblichen Lehrlinge, die bei der Lehrabschlussprüfung durchfallen. In der Sparte „Gewerbe und Handwerk“ sind es immerhin auch 32,67 Prozent (1.800 Lehrlinge wurden 2016 in Wien in dieser Sparte geprüft). Im Handel sind es hingegen „nur“ 18,24 Prozent und in der Sparte „Tourismus und Freizeitbetriebe“ lediglich 16,45 Prozent. Zusätzlich werden all jene, die zwar die Berufsschule absolvieren, jedoch nicht zur LAP antreten, erst gar nicht in der Statistik angeführt.

Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, dass es gar nicht so leicht ist, eine eindeutige Antwort auf die Frage, wieso in Wien über 23 Prozent der Lehrlinge ihre LAP negativ benotet bekommen. Der Umstand, dass in einigen Branchen ein Drittel der Lehrlinge die Lehrabschlussprüfung nicht schaffen, zeigt, dass derzeit viele Dinge falsch in der dualen Ausbildung laufen. Der ÖGB sieht die Ursache in der schlechten Ausbildung durch die Betriebe, wo die Lehrlinge nur Kaffee kochen müssten, statt etwas zu lernen. Diese Ansicht wird jedoch durch das Angebot der überbetrieblichen Lehrausbildung alles andere als gestützt. Die „Überbetrieblichen“ mit ihren Stützkursen, Praktika und Lehrwerkstätten sollten ja geradezu der Garant für eine qualitativ hochwertige Lehre sein.

Woran liegt es also?

Die Ursachen sind komplexer. Eine Ursache für die vielen negativen Abschlüsse liegt vielleicht auch darin, dass in einigen Branchen die Gehaltsunterschiede zwischen gelernten und angelernten Kräften nicht allzu hoch sind. Man kann also auch „gutes“ Geld ohne LAP verdienen. Die Gründe liegen aber auch bei den Lehrlingen selbst. Viele sind einfach im falschen Job. Für etliche Lehrlinge ändern sich die Interessen während der Lehre. Man darf nicht vergessen, dass viele Lehrlinge als Teenager eine Lehre beginnen und als Erwachsene einen Lehrabschluss machen. Viele habe die Lehre aus den falschen Gründen begonnen („weil nichts anderes frei war…“, „weil die Eltern es so wollten…“) und einigen fehlt es am nötigen Talent. Viele Lehrlinge treten nur an, um einen Abschluss zu machen und sind eigentlich nicht mehr am Beruf interessiert. Und last but not least: Es gibt auch Betriebe, die ihre Lehrlinge schlecht ausbilden. Welche Gründe nun auch ausschlaggebend sind für das schlechte Abschneiden bei der LAP… Fakt ist: Zu viele Lehrlinge „verhauen“ ihren Lehrabschluss. Diese Lehrlinge fehlen als Fachkräfte in den Betrieben und ein Mangel an Fachkräften ist schlecht für die Unternehmen.

Aus all den genannten Gründen bringt es auch wenig den schwarzen Peter der einen oder der anderen Gruppe hinzuschieben. Mit einer besseren Orientierung der zukünftigen Auszubildenden und der Betriebe, einer genaueren Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen und einer guten Portion Aufgeschlossenheit für neue Wege im Lehrlingsrecruiting könnten wir den Trend, dass von Jahr zu Jahr immer mehr Lehrlinge ihre Abschlussprüfung sprichwörtlich in den Sand setzen, wieder umkehren.

 

dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von der „Lehrlingsbox“

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Gender Pay Gap: Frauen verdienen deutlich weniger als Männer

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Anlässlich des Frauentages 2017 wird in Österreich nicht nur eine neue Frauenministerin angelobt, sondern es wird auch das Bewusstsein für die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen geschärft – routineartig muss man da fast schon sagen. Oder wie es die Schriftstellerin Christine Nöstlinger treffend im Ö1 Morgenjournal formulierte: „Was haben wir gekriegt… ein Binnen-I haben wir gekriegt. Das ist für mich ein bisserl wenig.“

Der E.U.-Vergleich macht Österreichs Frauen alles andere als reich. Den geringsten Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen gibt es in Italien und Luxemburg, was mich natürlich als geborener Großherzogtumler sehr freut.

Aber auch der Vergleich zwischen Arbeiter/innen, Angestellen und Beamt/innen ist sehr spannend. Es fällt auf, dass selbst bei den Beamten und Beamtinnen ein Einkommensunterschied von 4,9 Prozent besteht, was ja angesichts 30 Jahre Förderungsprogramme und 20 Jahre positiver Diskriminierung  (man schaue bei Johanna Dohnal und Friederike Seidl nach) eigentlich gar nicht sein dürfte. Und doch: Gerade bei den Beamt/inn/en zeigt sich: Teilzeitarbeit ist weiblich. Werden die Zahlen auf ganzjährige Vollzeitbeamt/inn/en umgelegt, ergibt sich sogar ein Plus von 2,6 Prozent für die Frauen (nebenbei bemerkt ist die ausgewiesene Statistik männlich, da die Männer als Ausgangswert dienen). Insgesamt verdienen die Frauen teilzeitbereinigt noch immer 17,6 Prozent weniger als die Männer. Lässt man die Vertragsbediensteten und die Beamt/inn/en, die eine vergleichweise kleine Gruppe sind, außer Acht, wird die Differenz noch einmal größer.

Es bleibt also noch einiges zu tun  – und dies nicht nur am Frauentag.

Statistik Austria: Vergleich Männer- und Frauengehälter

Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern 2015
Soziale Stellung Anzahl der Personen Frauenanteil
in %
Bruttojahreseinkommen (Median)
insgesamt Frauen Männer Einkommens-differenz in % *)
Unselbständig Erwerbstätige insgesamt1)2)
Insgesamt 4.226.500 47 26.678 20.334 33.012 38,4
Arbeiter und Arbeiterinnen 1.674.532 35 19.215 11.041 25.556 56,8
Angestellte 2.010.756 55 30.396 22.718 44.181 48,6
Vertragsbedienstete 351.460 69 32.496 29.330 37.854 22,5
Beamte und Beamtinnen 189.752 41 53.747 52.217 54.927 4,9
Ganzjährig Vollzeitbeschäftigte1)
Zusammen 2.105.925 34 39.812 35.023 42.364 17,3
Arbeiter und Arbeiterinnen 682.155 20 31.915 23.778 33.843 29,7
Angestellte 1.047.070 39 46.402 36.378 54.643 33,4
Vertragsbedienstete 207.182 57 39.156 37.994 40.671 6,6
Beamte und Beamtinnen 169.518 35 55.969 56.827 55.403 -2,6
Q: STATISTIK AUSTRIA, Lohnsteuerdaten – Sozialstatistische Auswertungen. Erstellt am 20.01.2017. *) Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern im Verhältnis zum Bruttojahreseinkommen der Männer. – 1) Ohne Lehrlinge. – 2) Inklusive Teilzeitbeschäftigte und nicht-ganzjährig Beschäftigte. Bruttojahresbezüge gemäß § 25 Einkommensteuergesetz.
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