Lehre im digitalen Zeitalter: e-Commerce-Lehre, Glasverfahrenstechnik und Fahrrad-Mechatronik

e-Commerce ab 2017/2018 in die Lehre integriert. Foto: pexels

Der Greißler und Nahversorger ums Eck wird vielleicht schon bald nur mehr eine nostalgische Erinnerung sein. Der Versandhandel hat dank des Internets und der bequemen Onlineshops eine Renaissance erlebt. Daher verwundert es nicht, dass der Online-Handel eine sehr stark wachsende Branche ist – und doch gibt es bis dato keine Ausbildung, die diesem Umstand Rechnung trägt.

Dies soll sich nun ändern, da Lehrlinge im Einzelhandel schon bald das optionale Modul „digitaler Verkauf“ wählen dürfen. Laut futurezone soll „zu den bisher angebotenen 15 Fachschwerpunkten in der Einzelhandels-Lehre (u.a. Lebensmittel, Mode, Elektronik, Kfz) (…) ab dem Ausbildungsjahr 2017/18 zusätzlich den Schwerpunkt „Digitaler Verkauf““ angeboten werden. „Der Schwerpunkt wird für fünf Jahre als Pilot eingerichtet und dann soll entschieden werden, ob die Inhalte im Regellehrberuf integriert werden.“ Übrigens lassen sich schon Inserate finden, die beweisen, dass Unternehmen explizit auf den Bereich e-Commerce ausbilden wollen.

Im Herbst 2017 soll also im Pilot Schritt für Schritt eine eigenständige Lehre für E-Commerce entstehen. Der Bedarf an Lehrlingen sei derzeit zwar noch schwer abzuschätzen, allerdings wachse der Onlinehandel jedes Jahr um 5 Prozent. Außerdem ergab eine Studie des Handelsverbandes, die bereits Anfang 2016 veröffentlicht wurde, dass 70 Prozent der befragten Unternehmen Lehrlinge in diesem Bereich ausbilden und 30 Prozent der befragten Unternehmen sogar höhere Lehrlingsentschädigungen zahlen würden.

Digitalisierung – mehr als ein Trend: Neue Lehrberufe

Insgesamt will das zuständige Bundesministerium für Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft bis 2020 stolze 57 Lehrberufe modernisieren und der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung Rechnung tragen. Laut Aussendung des Ministeriums bringt das Lehrberufsspaket 2017 acht neue oder modernisierte Lehrberufe mit sich: Neben dem bereits erwähnten Bereich e-Commerce, soll auch die Steuerung von digitalen Anlagen in die entsprechenden Lehrlingsbilder einfließen. Ferner überlegt man in folgenden Bereichen Lehrberufe zu erschaffen oder zu adaptieren: Glasverfahrenstechnik, Informationstechnologie, Installations- und Gebäudetechnik, der bereits angesprochene E-Commerce-Kaufmann bis zum künftigen Fahrrad-Mechatroniker oder Sportgerätetechniker.

Quellen:

Dieser Artikel erschien zuerst auf : www.lehrlingsbox.at

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Fast ein Viertel der Wiener Lehrlinge fällt durch…

23,71 Prozent der Wiener Lehrlinge fielen 2016 bei der Lehrabschlussprüfung durch. Wien bekleidet damit im Bundesländerranking den zweiten Platz. Nur in Tirol fallen noch mehr Lehrlinge bei der LAP durch (24,71 Prozent). Die Lehrlingsstatistik, die von der WKO jährlich publiziert wird, wird von der Wiener Gratiszeitung gewohnt plakativ aufgegriffen. Bereits ein erster Blick in die Statistik zeigt, dass die Situation in Tirol und in Wien besonders dramatisch ist. In Ober-und Niederösterreich fällt „nur mehr“ jede/r Fünfte bei der Lehrabschlussprüfung durch. In Kärnten und in der Steiermark sind es knapp über 15 Prozent.

Ein genauer Blick auf die (Wiener) Statistik erscheint mir besonders wichtig. Tatsächlich ist es so, dass die Ergebnisse auch innerhalb der Branchen sehr stark auseinanderdriften. So weisen die „Überbetrieblichen Lehrausbildungen“ eine besonders hohe Durchfallquote auf. In Wien sind es immerhin 32,31 Prozent aller überbetrieblichen Lehrlinge, die bei der Lehrabschlussprüfung durchfallen. In der Sparte „Gewerbe und Handwerk“ sind es immerhin auch 32,67 Prozent (1.800 Lehrlinge wurden 2016 in Wien in dieser Sparte geprüft). Im Handel sind es hingegen „nur“ 18,24 Prozent und in der Sparte „Tourismus und Freizeitbetriebe“ lediglich 16,45 Prozent. Zusätzlich werden all jene, die zwar die Berufsschule absolvieren, jedoch nicht zur LAP antreten, erst gar nicht in der Statistik angeführt.

Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, dass es gar nicht so leicht ist, eine eindeutige Antwort auf die Frage, wieso in Wien über 23 Prozent der Lehrlinge ihre LAP negativ benotet bekommen. Der Umstand, dass in einigen Branchen ein Drittel der Lehrlinge die Lehrabschlussprüfung nicht schaffen, zeigt, dass derzeit viele Dinge falsch in der dualen Ausbildung laufen. Der ÖGB sieht die Ursache in der schlechten Ausbildung durch die Betriebe, wo die Lehrlinge nur Kaffee kochen müssten, statt etwas zu lernen. Diese Ansicht wird jedoch durch das Angebot der überbetrieblichen Lehrausbildung alles andere als gestützt. Die „Überbetrieblichen“ mit ihren Stützkursen, Praktika und Lehrwerkstätten sollten ja geradezu der Garant für eine qualitativ hochwertige Lehre sein.

Woran liegt es also?

Die Ursachen sind komplexer. Eine Ursache für die vielen negativen Abschlüsse liegt vielleicht auch darin, dass in einigen Branchen die Gehaltsunterschiede zwischen gelernten und angelernten Kräften nicht allzu hoch sind. Man kann also auch „gutes“ Geld ohne LAP verdienen. Die Gründe liegen aber auch bei den Lehrlingen selbst. Viele sind einfach im falschen Job. Für etliche Lehrlinge ändern sich die Interessen während der Lehre. Man darf nicht vergessen, dass viele Lehrlinge als Teenager eine Lehre beginnen und als Erwachsene einen Lehrabschluss machen. Viele habe die Lehre aus den falschen Gründen begonnen („weil nichts anderes frei war…“, „weil die Eltern es so wollten…“) und einigen fehlt es am nötigen Talent. Viele Lehrlinge treten nur an, um einen Abschluss zu machen und sind eigentlich nicht mehr am Beruf interessiert. Und last but not least: Es gibt auch Betriebe, die ihre Lehrlinge schlecht ausbilden. Welche Gründe nun auch ausschlaggebend sind für das schlechte Abschneiden bei der LAP… Fakt ist: Zu viele Lehrlinge „verhauen“ ihren Lehrabschluss. Diese Lehrlinge fehlen als Fachkräfte in den Betrieben und ein Mangel an Fachkräften ist schlecht für die Unternehmen.

Aus all den genannten Gründen bringt es auch wenig den schwarzen Peter der einen oder der anderen Gruppe hinzuschieben. Mit einer besseren Orientierung der zukünftigen Auszubildenden und der Betriebe, einer genaueren Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen und einer guten Portion Aufgeschlossenheit für neue Wege im Lehrlingsrecruiting könnten wir den Trend, dass von Jahr zu Jahr immer mehr Lehrlinge ihre Abschlussprüfung sprichwörtlich in den Sand setzen, wieder umkehren.

 

dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von der „Lehrlingsbox“

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Die Wiener Stadtwerke stellen 100 neue Lehrlinge ein

Das Unternehmen wünscht sich mehr weibliche Lehrlinge in technischen Berufen

Die Wiener Stadtwerke suchen für das kommende Jahr „Jugendliche mit einem gutem Abschlusszeugnis und dem nötigen Biss“ für insgesamt 100 Lehrstellen. Interessierte können sich noch bis Ende Februar 2017 bei den Wiener Stadtwerken vorstellen. Das Verfahren ist dabei klar strukturiert. Es funktioniert nach dem Trichter-Prinzip. Nach einer Sichtung der Bewerbungen werden die Kandidat/innen zu einem zweistufigen Auswahlverfahren eingeladen. Die erste Stufe ist ein Online-Aufnahmetest. Wird dieser bestanden, folgt ein Lehrlingscasting, bei dem die passenden Lehrlinge ausgewählt werden.

Die Wiener Stadtwerke – laut Eigendefinition „Wiens großer Infrastrukturkonzern“ – werden auch 2017 in zwölf Berufen ausbilden (siehe Liste unten). Darüber hinaus hat sich das Unternehmen auf die Fahnen geschrieben, die Zahl weiblicher Lehrlinge in technischen Berufen zu erhöhen. Besonders wichtig sei dies dem verantwortlichen Personalvorstand Peter Weinelt und dem zentralen Lehrlingsmanagement.

„Wir haben leider traditionell zu wenige Mädchen, die sich für eine Ausbildung in Elektrotechnik oder Metalltechnik bewerben. Das muss sich ändern. Ich verstehe nicht, warum es interessanter sein soll, Friseurin oder Einzelhandelskauffrau zu werden. Elektrotechnikerin zu werden ist cooler, und man verdient später auch mehr Geld“, sagt Weinelt.

Gendergap zwischen „männlichen“ und „weiblichen“ Berufen

In der Tat gibt es noch immer (Lehr)berufe mit einem sehr hohen weiblichen und einem sehr hohen männlichen Anteil – und auch spezielle Anreize wie „Frauen in Technik“, „Girls Day“ und andere Initiativen scheinen dies nicht zu ändern. Die Berufswahl erfolgt auch noch in den Zehnerjahren des 21. Jahrhunderts nach Berufen, in denen das eigene Geschlecht überproportional vertreten ist. 2015 war der beliebteste Beruf bei Mädchen „Bürokauffrau“ mit 11,67 Prozent, gefolgt von Friseurin (9,81 Prozent) und Einzelhandelskauffrau im Lebensmittelhandel (7,99 Prozent). Legt man alle Sparten des Einzelhandels zusammen, kann man sagen, dass jede vierte (sic!!) junge Frau ihre Lehre im Handel absolviert. Bei den Burschen entfallen 14,86 Prozent auf den Bereich Metalltechnik, 11,48 Prozent auf Elektrotechnik und 9,45 Prozent auf KFZ-Technik. Diese Zahlen entstammen der Lehrlingsstatistik der WKO und zeigen einen österreichweiten Trend. Ein Lehrling bekommt im Handel im ersten Lehrjahr meist 526 Euro (2016, je nach Betrieb und Sparte ist natürlich eine höhere Lehrlingsentschädigung möglich). Hingegen bekommt ein Lehrling in der Sparte Metallbearbeitung bereits  568,52 Euro – ebenfalls im ersten Lehrjahr. Würde man die „typisch weiblichen“ und die „typisch männlichen“ Lehrberufe samt Gehältern abgleichen, wäre sofort ersichtlich, dass der Unterschied beim Einkommen zwischen Mann und Frau auch durch die Wahl des Lehrberufs definiert wird.

Diversität

Darüber hinaus interessiert natürlich auch ein weiteres Thema. Ist die Lehre bei einem großen Konzern ein Reservat für jugendliche Schulabgänger/innen oder dürfen auch junge Männer und Frauen, die bereits volljährig sind, eine Lehre beginnen? Die Wiener Stadtwerke sind, laut Konzernsprecher Thomas Geiblinger, sehr offen für Bewerber/innen, die etwas älter sind. Auch in diesem Punkt verschreibt man sich der Diversität. Lehrlinge, die bereits über einen Lehrabschluss verfügen oder eine Matura haben, seien ebenso willkommen. Vereinzelt beschäftige man  junge Erwachsene als Lehrlinge. Ältere Erwachsene (25+) sind – so Konzernpressesprecher Geiblinger weiter – derzeit noch nicht als Lehrlinge beschäftigt. „Vereinzelt“ bedeutet, dass man auch hier eher einem allgemeinen Trend folgt. Immerhin waren 2015 60 Prozent aller Lehrlinge nicht älter als 15 oder 16. Nimmt man Handwerk, Gewerbe und Industrie als Maßstab sind es knapp über 70 Prozent. Bei den Stadtwerken stehe man dem Thema jedoch nicht abgeneigt gegenüber. Derzeit plane man jedoch nicht, die duale Ausbildung über die Lehre hinaus auf andere Ausbildungsbereiche auszuweiten, wie dies bereits in vereinzelten Unternehmen passiert. So sei ein duales Studium derzeit (noch) nicht geplant.

Um sehr gute Auszubildende für ein Unternehmen zu gewinnen, müssen mittlerweile auch Anreize geboten werden. Abgesehen vom bereits angesprochenen Gehalt haben junge Menschen, die eine Lehre bei den Wiener Stadtwerken beginnen, dem Einvernehmen nach, eine sehr hohe Chance übernommen zu werden. Die Übernahmequote liege bei über 80 Prozent. Außerdem würden fast alle Lehrlinge die begonnene Ausbildung auch abschließen, was für die Generation Y, die ja wieder sehr nach sicheren Arbeitplätzen giert, ein wichtiges Argument sein kann. Insgesamt bilden die Wiener Stadtwerke derzeit rund 450 Lehrlinge aus.

Die Lehrberufe im Detail und die Hot-Spots

Die von den Stadtwerken angebotenen Lehrstellen werden auf die Bereiche Energie, Mobilität und Bestattung aufgeteilt. Die Liste der einzelnen Berufe erfolgt in alphabetischer Reihenfolge:

Betriebslogistikkaufmann/-frau, Bürokaufmann/-frau, Elektronik, Elektrotechnik, Florist/Floristin, Gas-, Sanitär- und Heizungstechnik, Kraftfahrzeugtechnik, Gartenbau, Mechatronik, Metalltechnik.

Interessanterweise setzt sich auch bei einem großen Unternehmen wie den Stadtwerken ein weiterer Trend fort. Es scheint immer schwieriger Lehrlinge für die klassischen Handwerks- und Gewerbeberufe zu bekommen. Das Unternehmen erhielte nicht genügend Bewerbungen für die Lehrberufe Elektrotechnik, Metalltechnik, Gartenbau sowie Gas-, Sanitär- und Heizungstechnik. Anders formuliert: Die Chancen in einem dieser Mängelberufe einen Lehrstelle zu bekommen wird höher sein, als in anderen Bereichen.


Weitere Infos unter www.wienerstadtwerke.at/karriere

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Österreich ist Europameister

Euroskills Team Österreich

Österreich ist Europameister. Wie gern hätten Österreichs Fußballfans diesen Spruch gelesen! Das Nationalteam schied in Frankreich bekanntlich in der Vorrunde aus. Trotzdem wurde Österreich Europameister. Allerdings nicht in Frankreich, sondern im Norden Europas, in Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens. Hier fand die „EuroSkills“ vom 30. November bis zum 04. Dezember statt. Insgesamt nahmen 493 Facharbeiter/innen aus 28 Ländern statt an der „Europameisterschaft der Fachkräfte“ teil. Das Euroskills-Team-Austria bestand aus 35 Teilnehmer/innen – 9 Damen und 26 Herren – , die sich in  29 Einzel- bzw. Teamberufen mit Unterstützung von 29 Expert/innen (=Trainer/innen) den einzelnen fachlichen Herausforderungen stellten.

Österreich wurde Europameister vor Finnland, Frankreich, Deutschland (sic!!) und den Niederlanden. Der Präsident der Österreichischen Wirtschaftskammer sieht dieses Ergebnis als Bestätigung für die duale Ausbildung in Österreich: „Die Erfolge in Göteborg sind eine Bestätigung für die Leistungsfähigkeit des österreichischen Dualen Bildungssystems, der berufsbildenden Schulen und der heimischen Ausbildungsbetriebe bei der Heranbildung qualifizierter Fachkräfte, die Österreich benötigt, um auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb bestehen zu können“. Die zahlreichen Medaillen und Diplomauszeichnungen für die Facharbeiter/innen stellen angesichts der PISA-Debatte ein wichtiges Signal für den Ausbildungsstandort Österreich dar. Es mutet fast schon wie Ironie an: Im PISA-Ranking sackt Österreich im europäischen Vergleich ab, im direkten Vergleich der Facharbeiter/innen ist  Österreich „europäische Weltklasse“, wie es der Fußballspieler Mario Sonnleitner angesichts der Leistungen des SK Rapid in der Euroleague 2015 so schön formulierte. Selbst der ORF sprach angesichts des Titels der österreichischen Fachkräfte von einem „rot-weiß-roten Wintermärchen.“

And the winner is…

Österreich holte in fünf Kategorien Gold.  Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass Lisa Janisch nicht nur die Goldmedaille in ihrer Disziplin gewann, sondern auch noch mit einem Sonderpreis als ‘Best of Europe’ ausgezeichnet wurde. Die Steirerin hatte das beste Punkte-Ergebnis aller Teilnehmer/innen erzielt. Auch die Veranstaltung in Göteborg  an sich war rekordverdächtig und ein Riesenerfolg. Normalerweise finden in der Scandinavium Arena große Sportveranstaltungen wie die Eishockey-WM 2002 statt. Doch heuer zog der Wettbewerb der besten Fachkräfte 75.000 Besucher/innen an, was eine enorme Resonanz darstellt – und die Herausforderung für die Wettbewerbsteilnehmer/innen noch einmal verstärkte. Denn ähnlich wie bei Wettkämpfen im Sport mussten sich die jungen Fachkräfte nicht nur der Expert/innen-Jury stellen, sondern arbeiteten vor (vorbei)laufendem Publikum. Erschwerend wirkte sich die Tatsache aus, dass die Besucher/innen meist Schulkinder waren, die zur Euroskills kamen, um sich Berufe live und in Farbe anzusehen. Schön für die Kids, extrem herausfordernd für die Wettbewerbsteilnehmer/innen, die bisweilen auch mit der Technik kämpfen mussten – und das unter Zeitnot und Wettkampfbedingungen.

Die weiteren Goldmedaillengewinner für Österreich sind:  Fabian Gwiggner (Grafiker) und Christoph Schrottenbaum (Restaurantservice) sowie Markus Thurnes (Sanitär- und Heizungstechnik) und Thomas Rudlstorfer (Steinmetz), der seine Goldmedaille ziemlich cool kommentierte: „Jetzt kann ich einfach sagen; ok – ich bin Europas bester Steinmetz. Das ist unbeschreiblich.“

Silber ging an: Matthias Moser (Elektrotechnik), Stefan Fuchs (Fliesenleger) und Daniela Lengauer (Hotel Rezeptionistin), die es mit besonders gefinkelten Aufgaben, wie vermeintlich betrunkenen Gästen zu tun hatte, sowie Manuela Wechselberger (Köchin) sowie Katharina Strasser und Gabriel Rauch (Landschaftsgärtner/innen).

Bronze holten Thomas Schwarzinger (Anlagenelektrik), Katrina Pichlmayer und Johannes Ladreiter (Entrepreneurship), Isabella Schierl und Eva-Maria Resch (Mode Technologie) sowie Michael Kranawetter (Spengler).  Zusätzlich müssem 9 sogenannte Medaillon-Gewinner/innen erwähnt werden. Das Diplom „Medallion for Excellence“ ergeht an Facharbeiter/innen, die eine sehr hohe Punktzahl erreicht haben, es allerdings nicht auf das „Stockerl“ schafften. Ein „Medaillon“ erging an: Sandro Zupan (CNC-Fräsen), Verena Paar (Floristik), Sandra Wimmer (Friseurin) sowie Bernhard Simader (Kälteanlagentechnik), Kevin Rath (KFZ-Technik), Dominik Stauffer (Landmaschinentechnik), Oliver Pieber (Maurer), Hannes Scheba und Michael Steinbauer (Mechatronik) sowie Markus Kieslinger (Schweißen). Insgesamt erreichte Österreich damit den ersten Platz in der Nationenwertung noch vor Finnland, Frankreich und Deutschland. Es wäre also angebracht den Fußball-Cordoba-Mythos von 1978 zu begraben und mit einem Augenzwinkern auf die Euroskills zu verweisen…

Rechnet man die Anzahl der Medaillen nach Geschlecht, fällt auf, dass die insgesamt 9 Damen vom Team Austria nicht weniger als 7 Medaillen und 2 Medaillons holten, was eine beeindruckende Ausbeute ist. Anders formuliert: Alle weiblichen Facharbeiter/innen des österreichischen Teams konnten eine Auszeichnung gewinnen und holten mit Lisa Janisch auch noch die „Best-of-Europe“-Wertung. Die österreichischen Facharbeiterinnen schlagen mit diesem Ergebnis die männlichen Kollegen um Längen. Neben der bereits erwähnten Lisa Janisch,  sollte man auch Manuela Wechselberger erwähnen. Auf den ersten Blick scheint es nicht unlogisch, dass eine Köchin eine Silbermedaille holt. Dies ist allerdings ganz und gar nicht der Fall. Auf diesem Level ist die Küche eine Männerdomäne und Manuela Wechselberger steht stellvertretend für die wachsende Anzahl an Spitzenköchinnen, die ihr Können unter Beweis stellen. Auch wenn Lisa Janisch und Manuela Wechselberger in eher männlichen Bereichen gewannen, erfolgt die Berufswahl in Österreich auch noch 2016 so, dass es nachwievor typische Männer- und Frauenberufe gibt. Ein Blick auf die Medaillenträger/innen bestätigt dies bis zu einem gewissen Grad – da Janisch und Wechselberger sicherlich Ausnahmen von der Regel sind.

Der österreichische Erfolg ist kein Zufall

Der Erfolg des österreichischen Teams in Göteborg war kein Zufall. Um als Facharbeiter/in bei der Euroskills dabei sein zu können, müssen erst einmal die heimischen Staatsmeisterschaften geschlagen werden. Danach erfolgt eine präzise Vorbereitung. Lisa Janisch trainierte neben ihrer Arbeit 900 Stunden zusammen mit ihrem Trainer. Darüber hinaus ist es unabdingbar, dass das (berufliche) Umfeld mitspielt. Ähnlich wie beim Fußball, müssen die Betriebe ihre Fachkräfte für die Teamtrainings, die Bewerbe und die offiziellen Anlässe abstellen. Die Teilnehmer/innen werden durch die sogenannten „Expert/innen“ auf den Bewerb vorbereitet, die in der Regel nicht die vertrauten Ausbildner/innen, Kolleg/innen oder Lehrer/innen sind. Das österreichische Team hatte zudem mehrere Trainingslager  – so zum Beispiel am  21. und 22. September 2016 in Linz. Neben dem fachlichen Können und der Maßarbeit (oft im Millimeterbereich) sind bei der Euroskills auch Disziplin, Teamgeist und Durchhaltevermögen gefragt. Beim Teamseminar in Linz standen mentale Trainings sowie Teambuilding auf dem Programm, um die Teilnehmer/innen sowohl körperlich als auch geistig zu stärken. Es ist also nicht so, dass man „en passant“ diesen Bewerb gewinnt und die Euroskills als nette Abwechslung gesehen werden. Um Chancengleichheit zu gewähren, werden die Aufgaben des Bewerbs  vorher bekannt gegeben; um jedoch die Aufgabe zu erschweren und einen Überraschungseffekt zu erzielen, ändern die Expert/innen 30 Prozent der vertrauten Aufgabe vor dem Bewerb. Die Leistungsdichte wird bei der Euroskills dadurch noch größer, da es eigentlich nur Pflicht und kaum eine Kür gibt. Auch in punkto Ausrüstung und Werkzeug überließ das österreichische Team nichts dem Zufall. Es wurden knapp 4 Tonnen eigenes Werkzeug nach Schweden mitgenommen, um die Facharbeiter/innen bestens auszustatten.

Hohe Erwartungen

Das rot-weiß-rote Team trat 2014 mit 36 Teilnehmer/innen in Lille (Frankreich) an. Man holte damals 7 Goldmedaillien, 5 Silbermedaillen und 5 Bronzemedaillen – insgesamt 19 Auszeichnungen, davon 17 in Einzeldisziplinen. Damals erreichte der oberösterreichische Anlagenelektriker Oliver Anibas die höchste Punktezahl unter allen Teilnehmer/innen und gewann den Titel „Best of Europe“ – ein Kunststück, das 2016 von Lisa Janisch wiederholt wurde. Auch wenn man 2016 weniger Goldmedaillen erzielte, war das Endergebnis mehr als zufriedenstellend. Man konnte den Titel als beste Nation verteidigen. Die Leistung in Schweden ist also noch höher einzustufen als jene von Lille, denn die Titelverteidigung ist in den meisten Wettbewerben erst das wahre Meisterstück.

Interessant ist noch ein Detail: Während die meisten Mitglieder des Euroskills-Teams aus Oberösterreich und der Steiermark stammten, wartete das bevölkerungsreichste Bundesland Wien „nur“ mit drei Lehrlingen auf. Das Burgenland schickte leider keine Vertreter/innen nach Göteborg. Kärnten und Vorarlberg waren jeweils „nur“mit einem Teilnehmer dabei; allerdings trat der  Vorarlberger Christoph Schrottenbaum – der übrigens Gold in seiner Kategorie holte – als „Legionär“ an. Er arbeitet seit gut drei Jarhen bei „About Dinner by Heston Blumenthal“ in London und kann sich rühmen bereits die Queen getroffen zu haben. Das Lokal wurde 2014 mit einem zweiten Michelin-Stern ausgezeichnet und zählt zu den besten 50 Restaurants der Welt. Der Chefkoch Heston Blumenthal hat ein Faible für historische englische Gerichte, die er neu interpretiert.

Insgesamt ist diese Bundesländer-Verteilung vielleicht auch ein Indiz für die Tatsache, dass bei allem „Raunzen“ über fehlende Fachkräfte die lokale Komponente sicherlich eine Rolle spielt – und der Mangel an Fachkräften nicht nur auf die demografische Entwicklung abgeschoben werden kann. Vielleicht braucht es mehr Legionäre oder Talente, die aus dem vertrauten Umfeld ausziehen um sich ihrer Passion hinzugeben und sich nicht nur mit dem unmittelbar Greifbaren zufrieden stellen.

Neben dem österreichischen Euroskills-Team gewann insbesondere die Stadt Graz.  Die „Euro Skills 2020“ wird in der steirischen Landeshauptstadt stattfinden: In vier Jahren wird es also ein Heimspiel in Graz werden, was den Druck sicherlich noch einmal steigern wird. Die steirische Landeshauptstadt hat sich in der Endausscheidung gegen die finnische Hauptstadt Helsinki durchgesetzt. Das stand allerdings bereits vor dem Bewerb fest. Die „Euro Skills“ kommt nach 33 Jahren erstmals wieder nach Österreich. Die Auswirkungen seien jetzt schon positiv. Man habe in Graz ein Plus von 3,5 Prozent bei den Lehrstellen  zu verzeichnen, was u.a. auch auf die Euroskills-Euphorie zurückzuführen sei.

Die nächste Auflage der europäischen Berufsmeisterschaften findet 2018 in Budapest statt, wo es natürlich nicht nur darum geht, erneut viele Medaillen zu gewinnen. Auch in Ungarn will man zeigen, wie gut der österreichische Fachkräftenachwuchs ist. Außerdem stellt die Euroskills als Veranstaltung eine unschätzbare Quelle des Austausches dar. Vertreter/innen aus Behörden, Handwerk und Bildungseinrichtungen sowie Partnerunternehmen bekommen mit den Berufsmeisterschaften  eine einmalige Plattform für den direkten Austausch untereinander.

Außergewöhnliche Leistungen sind nur mit den richtigen Partner/innen zu leisten. Neben den zahlreichen Expert/innen, die den Facharbeiter/innen zur Seite standen und auch in den einzelnen Fachjurys beim Bewerb vertreten waren, wird das „Skills Austria-Team“ von Engelbert Strauss aus Deutschland unterstützt. Das Engagement des Arbeitsbekleidungsherstellers für das österreichische Team liegt nicht unbedingt auf der Hand. Das Unternehmen mit einem Standort in Linz, bildet in Österreich selbst keine Lehrlinge und Fachkräfte aus, verfügt aber in Deutschland über ein weitreichendes Ausbildungskonzept. Engelbert Strauss zeigt, dass das duale Ausbildungskonzept – mit praktischer Erfahrung im Betrieb und theoretischer Ausbildung in einer pädogogischen Einrichtung – auch auf das Studium ausgeweitet werden kann. Nebenbei bemerkt könnten die österreichischen Bronzegewinnerinnen Isabella Schierl und Eva-Maria Resch (Mode Technologie) sicher spielend für den Teamausstatter Engelbert Strauss arbeiten. Ihre Aufgaben im Bereich Modetechnologie bestanden aus folgenden Themen: Eine vorgegebene Arbeitshose nachschneidern und drei Jacken respektive Hosen designen, schnittzeichnen und selbst nähen. Die Teile sollten an Workwear angelehnt sein…

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